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Equipment Kaltgepresst Zentrifugal Entsafter

Kaltgepresst vs. Zentrifugal: Der Vergleich

Slow Juicer oder Zentrifugalentsafter? Wir vergleichen beide Methoden hinsichtlich Saftqualität, Nährstoffe und Praxis.

Säfte.online Redaktion 7 Min. Lesezeit
Kaltgepresst vs. Zentrifugal: Der Vergleich

Kaltgepresst vs. Zentrifugal: Zwei Welten der Entsaftung

Wer zu Hause frischen Saft herstellen möchte, steht vor einer grundlegenden Entscheidung: Slow Juicer oder Zentrifugalentsafter? Beide Geräte haben ihre Daseinsberechtigung, unterscheiden sich aber erheblich in Funktionsweise, Saftqualität und Handhabung. Wir stellen beide Methoden ausführlich vor und helfen dir bei der Entscheidung.

So funktioniert ein Zentrifugalentsafter

Das Prinzip der Fliehkraft

Ein Zentrifugalentsafter arbeitet mit einer schnell rotierenden Reibscheibe, die sich mit 6.000 bis 14.000 Umdrehungen pro Minute dreht. Die Früchte und Gemüse werden durch einen Einfüllschacht auf diese Scheibe geführt, wo sie zerkleinert werden. Durch die enorme Fliehkraft wird der Saft aus dem Fruchtfleisch geschleudert und durch ein feines Sieb gefiltert. Der Trester — also die festen Bestandteile — wird in einem separaten Behälter aufgefangen.

Vorteile des Zentrifugalentsafters

  • Geschwindigkeit: Die Entsaftung dauert nur wenige Sekunden pro Zutat. Ein Glas Saft ist in ein bis zwei Minuten fertig.
  • Große Einfüllöffnung: Viele Modelle haben breite Einfüllschächte, sodass Äpfel oder Orangen nicht unbedingt vorgeschnitten werden müssen.
  • Günstiger Anschaffungspreis: Gute Zentrifugalentsafter gibt es bereits ab 50 bis 100 Euro.
  • Einfache Bedienung: Die Handhabung ist unkompliziert und intuitiv.

Nachteile des Zentrifugalentsafters

  • Wärmeentwicklung: Durch die hohe Drehzahl entsteht Reibungswärme, die empfindliche Nährstoffe schädigen kann.
  • Oxidation: Die schnelle Rotation wirbelt viel Luft in den Saft, was zu einer beschleunigten Oxidation führt. Der Saft sollte daher möglichst sofort getrunken werden.
  • Lautstärke: Zentrifugalentsafter sind deutlich lauter als Slow Juicer.
  • Geringere Saftausbeute: Besonders bei Blattgemüse und Weizengras ist die Ausbeute oft unbefriedigend.

So funktioniert ein Slow Juicer (Kaltpresse)

Das Prinzip der langsamen Pressung

Ein Slow Juicer — auch Kaltpresse oder Masticating Juicer genannt — arbeitet mit einer oder zwei langsam drehenden Pressschnecken. Diese drehen sich mit nur 40 bis 120 Umdrehungen pro Minute. Das Pressgut wird langsam zermalmt und durch ein Sieb gedrückt. Der Saft fließt langsam heraus, während der Trester separat ausgeworfen wird.

Der Begriff “kaltgepresst” bezieht sich darauf, dass bei diesem Verfahren kaum Wärme entsteht. Die niedrige Drehzahl sorgt für minimale Reibung, wodurch die Temperatur des Safts während des gesamten Pressvorgangs nahe an der Raumtemperatur bleibt.

Vorteile des Slow Juicers

  • Höherer Nährstoffgehalt: Da weniger Wärme und Oxidation auftreten, bleiben hitzeempfindliche Vitamine und Enzyme besser erhalten.
  • Bessere Saftqualität: Der Saft ist klarer, weniger schaumig und hat eine intensivere Farbe.
  • Längere Haltbarkeit: Kaltgepresster Saft hält sich im Kühlschrank bis zu 72 Stunden, während Zentrifugalsaft am besten sofort getrunken werden sollte.
  • Höhere Saftausbeute: Slow Juicer pressen mehr Saft aus der gleichen Menge Obst und Gemüse — oft 20 bis 30 Prozent mehr.
  • Vielseitigkeit: Blattgemüse, Weizengras, Kräuter und sogar Nüsse (für Nussmilch) lassen sich problemlos verarbeiten.
  • Leiser Betrieb: Die niedrige Drehzahl macht Slow Juicer deutlich leiser.

Nachteile des Slow Juicers

  • Zeitaufwand: Die Zubereitung dauert länger, da die Zutaten oft in kleinere Stücke geschnitten werden müssen.
  • Höherer Preis: Gute Slow Juicer kosten zwischen 200 und 500 Euro, Premiummodelle sogar mehr.
  • Reinigung: Die Reinigung kann aufwendiger sein, da die Pressschnecke und das Sieb gründlich gesäubert werden müssen.

Nährstoffvergleich im Detail

Vitamine

Studien haben gezeigt, dass kaltgepresster Saft einen höheren Gehalt an Vitamin C, Vitamin A und verschiedenen B-Vitaminen aufweist. Der Unterschied liegt je nach Studie bei 10 bis 40 Prozent. Besonders bei Vitamin C, das hitze- und oxidationsempfindlich ist, schneidet die Kaltpressung deutlich besser ab.

Enzyme und Antioxidantien

Enzyme sind besonders wärmeempfindlich. Bereits bei Temperaturen über 42 Grad Celsius beginnen viele Enzyme ihre Aktivität zu verlieren. Während ein Slow Juicer die Temperatur problemlos unter diesem Wert hält, kann ein Zentrifugalentsafter je nach Modell und Betriebsdauer höhere Temperaturen erzeugen. Antioxidantien wie Polyphenole und Flavonoide sind ebenfalls in kaltgepresstem Saft in höherer Konzentration vorhanden.

Ballaststoffe

Beide Methoden trennen den Saft vom Fruchtfleisch. Allerdings lässt ein Slow Juicer etwas mehr feine Fasern durch, was den Saft geringfügig dickflüssiger macht und den Ballaststoffgehalt leicht erhöht. Wer Wert auf Ballaststoffe legt, sollte allerdings eher zu einem Mixer greifen, der die gesamte Frucht verarbeitet.

Praxisvergleich: Welche Methode passt zu dir?

Für wen eignet sich ein Zentrifugalentsafter?

Ein Zentrifugalentsafter ist die richtige Wahl, wenn du morgens schnell einen Saft pressen möchtest und wenig Zeit hast. Er eignet sich gut für Einsteiger, die erst einmal ausprobieren wollen, ob das Entsaften überhaupt etwas für sie ist. Auch wenn du vorwiegend hartes Obst und Gemüse wie Äpfel, Karotten oder Rote Bete entsaftest, liefert ein Zentrifugalentsafter gute Ergebnisse.

Für wen eignet sich ein Slow Juicer?

Wenn du regelmäßig entsaftest und bereit bist, etwas mehr Zeit und Geld zu investieren, ist ein Slow Juicer die bessere Wahl. Er eignet sich besonders für gesundheitsbewusste Menschen, die den maximalen Nährstoffgehalt aus ihrem Saft herausholen möchten. Auch wer gerne grüne Säfte mit Blattgemüse und Kräutern zubereitet, kommt um einen Slow Juicer kaum herum.

Unser Urteil

Beide Entsaftungsmethoden haben ihre Berechtigung. Der Zentrifugalentsafter punktet mit Geschwindigkeit und günstigem Preis, während der Slow Juicer in Sachen Saftqualität, Nährstoffgehalt und Vielseitigkeit die Nase vorn hat.

Unsere Empfehlung: Wer es mit dem Entsaften ernst meint und langfristig den größten Nutzen aus frischen Säften ziehen möchte, sollte in einen guten Slow Juicer investieren. Die höhere Saftausbeute relativiert über die Zeit auch den höheren Anschaffungspreis, da du weniger Obst und Gemüse benötigst. Für Gelegenheitsentsafter, die vor allem schnell und unkompliziert einen Saft genießen wollen, ist ein Zentrifugalentsafter aber völlig ausreichend.

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